Bericht einer Teilnehmerin über einen Schmiedekurs.
Kategorie: Tagebuch
Stephanie Overhoff hat mir einen gefallen getan und aufgeschrieben was denn an so einem Schmiedekurs los ist. Leider sind die Bilder beim Übertragen rausgeflogen, ich untersuche irgendwann woran es lag?!?
Schmiedekurs bei Georg, eine Herausforderung für Körper und Geist
Wie alles begann oder warum fährt man 270 km für einen Schmiedekurs?
Während des Ingenieurstudiums hatte ich die erste Berührung mit dem Schmieden. Vor 17 Jahren durfte ich eine Woche in einer Lehrschmiede arbeiten, seitdem hat mich der Virus nicht mehr losgelassen. Es ist für mich unwahrscheinlich faszinierend, wie man das harte Material Eisen mit Feuer und der passenden Technik beliebig verformen kann. Sah ich irgendwo einen Schmied, dann habe ich mir wie ein kleines Kind die Nase platt gedrückt. Es hatte sich an Sylvester 2005 ergeben, dass ein eintägiger Schmiedekurs angeboten wurde. Nach dem Tagekurs hat mich der Virus gepackt und für mich war klar, dass dies nicht der letzte Kurs war. Der Kursleiter sollte nur diesmal ein ausgebildeter Schmied sein. Im Internet habe ich nach einem passenden Kurs, geleitet von einem ausgebildeten Schmied, gesucht. Ich wurde bei der VHS in Holzminden fündig. Also schnell angemeldet. Eine Woche vor Kursbeginn bekomme ich abends einen Anruf von Georg, der versucht aus mir herauszubekommen, ob ich weiß, auf was ich mich da einlassen würde. Ein bisschen meine ich im Unterton zuhören, dass er versucht mir den Kurs auszureden. Da packt mich der Ehrgeiz, dann erst recht. Die Frage nach meinem Beruf beantworte ich mit Diplom-Ingenieur. Ich kenne schon die Verwirrung, die man bei seinem Gegenüber auslöst, wenn man sich als weiblicher Diplom-Ingenieur zuerkennen gibt. Auweia, Frau und dann noch Akademiker, da sind doch in den Augen manches Mitmenschens die zwei linken Hände ohne Daumen vorprogrammiert. Ich versuche Georg zu erklären, dass ich handwerklich nicht komplett unbegabt bin. Es scheint ihn zu beruhigen und wir unterhalten uns über meine Schmiedeerfahrungen. Puh, diese Klippe hätten wir umschifft. Ich konnte Georg dann doch klarmachen, dass mir schon bekannt ist auf was ich mich einlasse. Schon während des Vorgesprächs kam die Begeisterung mit der Georg seinen Beruf ausübt rüber. Während des Kurses hat sich der Eindruck verstärkt. Für Georg ist der Beruf des Schmieds nicht nur ein Beruf sondern Berufung. Beim ihm zeigt sich was einen Meister ausmacht, es ist nicht allein der Meisterbrief, sondern wesentlich mehr. Georg kann seine Begeisterung für das Schmieden auf andere übertragen und sozusagen, das Feuer entzünden. Ich persönlich habe hier meinen Meister gefunden.
Das Alles erklärt nun, warum ich mich nun auf den inzwischen dritten Kurs einlasse. Besonders gefällt mir, dass Georg keinerlei Vorbehalte hat und keinen Unterschied bei den Kursteilnehmern macht, er nimmt mich genauso hart ran wie einen männlichen Kursteilnehmer. Gut, es fehlt manchmal an Kraft, die man aber durch Arbeiten mit Zuschläger und Federhämmer ersetzen kann. Man lernt beim Schmieden auch wie wichtig Teamarbeit ist, damit man mit seinem Projekt in der vorgegebenen Zeit fertig wird.
Freitag, den 6. 9. 2006
Der Blick in den Kalender sagt mir, dass am Wochenende der dritte Schmiedekurs bei Georg ansteht. Oh Gott, und noch keine passende Idee, was geschmiedet werden soll ! Man sollte schon eine Vorstellung im Kopf haben, am Besten schon mit einem fertigen Entwurf seines Werkstückes am Freitagabend anreisen, aber im Augenblick fällt mir wirklich nichts ein. Georg legt großen Wert auf die Ideenfindung und Erstellung des Entwurfs. Aber es fällt mir definitiv Nichts ein.
Jetzt ist Freitagmittag und ich habe immer noch keine Idee, jetzt wird es aber langsam Zeit. Na ja, das Problem erstmal vertagen, ich muss Koffer packen und zusammen mit meinem Mann das Wohnmobil reisefertig machen.
Die persönliche Schmiedeausrüstung zusammensuchen, Lederschürze, Handschuhe, Sicherheitsschuhe, Overall, Ohrenstopfen und Schutzbrille. Ach ja, die Schmiedezangen vom letzten Kurs und mein nagelneuer Schmiedehammer. Mal sehen, wie ich mit dem neuen Schmiedehammer arbeiten kann. Ich habe mir den „Kinderhammer“ (1 kg Hammergewicht mit kurzem Stiel) beim Angele besorgt, weil ich mit den schwereren Schmiedehämmern einfach nicht wirklich arbeiten kann. Ich habe zu Hause mit dem Hammer schon geschmiedet, aber nicht mehrere Stunden am Stück. Na hoffentlich kann der Hammer unter den Augen meines Meisters bestehen.
Immer noch keine Idee für mein Werkstück. Plötzlich ein Geistesblitz, Mensch, da war doch die eine Vordachkonsole im Art Deco Stil. Mal sehen was Georg dazu sagt. Panisch wird nach dem Foto gesucht. Endlich gefunden. Wo bleibt unser Bekannter, Sönke, dem wir zum Geburtstag den Schmiedekurs geschenkt haben?
Sönke ist auch endlich da. Schnell noch die Sachen aus seinem Auto in den Wohnwagen gepackt und den Wohnwagen ans Wohnmobil angehängt. Sönke ist, wie ich auch, Elektroingenieur. Im Gegensatz zu mir, schraubt er aber in seiner Freizeit an allem was irgendwie im weiteren Sinn mit einem Dieselmotor zu tun hat. Schmieden ist ihm noch nicht untergekommen und er schiebt doch etwas „Panik“ und hat auch noch keine Idee für sein Werkstück. Ich versuche ihn zu beruhigen. „Georg erklärt Dir alles ganz genau und zeigt Dir wirklich alles. Du wirst schon genügend Theorie zum Thema Stahl mitgeliefert bekommen.“
Also erstmal auf die Piste und nach Polle fahren, das sind von uns aus 270 km und mit dem Wohnwagen ist eben nur 80 km/h erlaubt und es ist Freitagnachmittag. Auf der A2 wird sich wieder Stau an Stau reihen. Und es ist so!
Kurz vor 18:00 Uhr haben wir es endlich geschafft, wir sind auf der Domäne Heidbrink angekommen. Georg ist auch schon da und wir werden wie immer auf das Herzlichste begrüßt. Georg zeigt uns, wo wir den Wohnwagen und das Wohnmobil abstellen können.
Jetzt schnell umziehen, Georg hat schon die zusätzlichen Essen und Ambosse mit dem Gabelstapler geholt. Toll ist hier, dass sich maximal zwei Kursteilnehmer sich eine Esse und einen Amboss teilen, ich kenne das auch anders. Also Schmiede einrichten.
Wer sind die anderen Kursteilnehmer, sind bekannte Gesichter aus dem letzten Kurs dabei? Können die alle schon Schmieden? Die anderen Kursteilnehmer sind jetzt auch da, wir sind diese Mal nur zu viert. Die beiden andern Teilnehmer haben beruflich und hobbymäßig viel mit Metall zu tun. Na ja, wird schon gut gehen.
Die Idee meiner Vordachkonsole findet Gefallen, auch wenn von an Anfang an klar ist, dass wir nur eines der beiden Seitenteile fertig stellen können. Aber auch das ist schon ein Erfolg für mich. Das zweite Seitenteil gibt es dann beim nächsten Kurs bzw. versuche ich alleine zu Hause zu schmieden.
Also dann mal los und eine Zeichnung im Maßstab 1:1 angefertigt. Bloß wie teilt man jetzt ein, damit man für das Auge eine angenehme Einteilung erhält? Georg weiß wie immer Rat und hält uns eine kurze Einführung zum Thema „Goldener Schnitt“. Also dann den Radiergummi schwingen und mit ein paar kurzen kräftigen Bleistiftstrichen stimmen dann die Proportionen.
Georg (Mitte), Sönke (rechts) und ich (links) diskutieren über die Proportionen unserer Werkstücke
Bei der Auswahl der verschiedenen Flacheisen verlasse ich mich ganz auf Georgs Erfahrung. Für mich gibt es jetzt die nächste Hürde. Wie lang muss das Material sein? Durch das Schmieden streckt sich das Material, Auch da weiß Georg Rat und wir erarbeiten uns die Materialliste. Als nächstes suche ich mir aus dem riesigen Materiallager das Passende aus und säge das Material auf die passende Länge. Entgraten nicht vergessen, die Sägekanten sind höllisch scharf, ich hatte in der Vergangenheit schon mal schlechte Erfahrungen gemacht.
Georg läutet den Feierabend ein, es ist auch schon weit über der vereinbarten Zeit. Wir setzen uns zum gemeinsamen Abendessen an einen von Georgs Tischen vor der riesigen Schmiedewerkstatt. Jeder hat was mitgebracht und der laue Spätsommerabend lädt zum Plauschen über dies und das ein. Ein Blick auf die Uhr verrät uns, dass es wieder spät geworden ist und morgen früh die Nacht zu Ende ist. Leider ist kein Hammerschlag bis dahin gefallen.
Samstag, den 7.9.06
Am nächsten Morgen reißt uns Georgs Hahn aus den Federn. Schnell Anziehen und das gemeinsame Frühstück vorbereiten. Die zwei anderen Kursteilnehmer wollen frische Brötchen mitbringen.
Nach einem reichhaltigen Frühstück geht’s endlich los. Georgs Söhne, Jesse und Aaron, haben das Anzünden der Essen übernommen. Ein echtes Höllenfeuer, Georg muss die beiden immer wieder bremsen, da sie mit der Steinkohle die ganze Schmiede verqualmen. Ich muss an das Schild im Dampflok-BW in Wernigerode denken „Nicht qualmen“. Vielleicht sollte man das hier auch aufhängen.
Jesse, Georgs Sohn, unterhält unsere „Höllenfeuer“
Georg zeigt Sönke, der vorher noch nie geschmiedet hat, wie man den Hammer hält, richtig am Amboss steht und die Zeichensprache der Schmiede. Dann zeigt Georg, wie einfach und schnell sich doch aus einem Stück Rundstahl ein Blatt herstellen lässt. Das ist für mich immer wieder aufs Neue faszinierend.
Der Kursteilnehmer denkt sich dann, das kann doch alles nicht so schwer sein und packt sein Stück Stahl in die Esse. Also mutig das Stück Stahl auf den Amboss gelegt und mit dem Hammer die ersten Schläge gemacht. Dann das Entsetzen, es tut sich gar nichts, man sieht maximal einen Hauch von einer Delle. Spätestens nach einer Viertelstunde beschleicht einen das dumpfe Gefühl, dass das alles doch nicht so leicht und locker flockig ist, wie es bei Georg aussieht. Man darf nur jetzt nicht den Fehler machen und die ganze Sache mit körperlicher Gewalt versuchen, das geht verdammt auf die Knochen und wir müssen auch noch den Sonntag überleben. Ich kann mich an einen eintägigen Schmiedekurs bei einem anderen Schmied erinnern, der uns nicht die Grundlagen der Hammerführung gezeigt hat. An diesen Kurs erinnerte mich wochenlang eine dicke Sehnenscheidenentzündung. Das muss nicht nochmal sein.
Also wacker das Werkstück ausgeschmiedet. Georg meint noch, ich sollte es mal mit mehr als einem Eisen im Feuer versuchen. „Man muss immer mehrere Eisen im Feuer haben.“ Am Steinkohlefeuer stellt mich das schon vor eine Herausforderung, weil der Stahl super schnell verbrennen kann, wenn man nicht auspasst. Außerdem fallen die Erholungspausen weg, die man sonst hat, wenn man auf das Heißwerden des Eisens wartet. Ich fühle mich nicht mehr als Kursteilnehmer, der hier aus Spaß mitmacht, sondern als Lehrling, der seine Rolle ausfüllen muss und vom Meister gefordert wird. Die Herausforderung nehme ich gerne an. Als nächstes bekommt Sönke von Georg den Vorschlaghammer in die Hand gedrückt. „Hier, arbeite Du mal als Zuschläger“. Sönke ist irritiert. In seinem fragenden Blick ist zu erkennen, Oh Gott, wie mach ich das bloß. Georg gibt Sönke eine kurze Unterweisung, wie man den Vorschlaghammer zu halten hat. Sönke versucht verzweifelt die richtige Stelle auf dem Eisen zu treffen, die Georg ihm vorgibt. Die Erfahrung durfte ich auch machen, es ist verdammt schwer mit dem Vorschlaghammer die richtige Stelle zu treffen, irgendwann hat man den Bogen dann raus und trifft die vorgegebene Stelle. Also nur Mut. Leider stellt sich bei Sönke nicht so schnell das richtige „Taktgefühl“ ein,
Das muss doch gehen !!!!!!
Die Pausen zwischen den Schlägen des Vorschmieds und des Zuschlägers sind unterschiedlich lang. Es erklingt kein rhythmisches Kling-Klong, sondern es gibt Synkopen, wie der Musiker sagt. Ich habe da auch so meine Probleme beim Takt halten, Georg tröstet uns und meint, dass nach ca. einem Jahr ein Lehrling das erst in Vollendung beherrscht. Es ist schon ein phantastisches Gefühl wenn Vorschmied und Zuschläger synchron arbeiten. Am Ende des Kurses hat sich bei mir dann dieses phantastische Gefühl eingestellt. Zumal man es jetzt rein mechanisch macht und nicht mehr nachdenken muss. Der Musiker würde sagen, da stimmt die „Groove“. Am Sonntag haben wir dann auch noch mit zwei Zuschlägern geschmiedet. Georg als Vorschmied und Sönke und ich als Zuschläger. Das erfordert eine starke Konzentration von allen Beteiligten und so mancher Schlag ging dann auf den Amboss, weil die Synchronisation gefehlt hat. Ich hatte im letzten Kurs auch feststellen dürfen, dass man nicht mit jedem Zuschläger arbeiten kann. Da gehört schon ein gewisses Maß an Sympathie dazu damit die „Groove“ stimmt. Am Besten ging es mit einem Kursteilnehmer, der so wie ich auch begeisterter Hobbymusiker ist, wir konnten uns aufeinander synchronisieren. Ein ähnlicher Prozess läuft übrigens ab, wenn mehrere Leute zusammen musizieren.
Langsam gewinnen die Teile an Form und die Länge muss jetzt passend gemacht werden. Irgendwie haben wir so konzentriert gearbeitet, dass wir vollkommen vergessen haben, dass die Mittagszeit schon längst verstrichen ist. Am späten Nachmittag muss Georg uns regelrecht an den Tisch „prügeln“. Das Abschalten der Gebläse an den Essen zwingt uns an den Tisch.
Mittagessen ist fertig
Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, das gilt auch beim Schmieden
Jetzt ist Zeit für ein kurzes Fazit. Der neue Schmiedehammer hat sich bewährt, bisher auch keine Blasen bzw. Brandblasen. Das ist ein Vorteil vom Steinkohlefeuer, da gibt es kein Spritzen, wie bei der Holzkohle und somit weniger Brandblasen. Eine kleine Änderung mussten wir noch an dem Schmiedehammer vornehmen. Georg hat noch mal alle Kanten abgeschliffen, das reduziert doch die scharfen Dellen im Eisen. Das ist die einzige Kleinigkeit, die an dem Hammer auszusetzen ist. Sonst ist der Meister mit der Wahl des Hammers zufrieden. Ich „darf“ mehrfach meinem Hammer hinterher rennen, weil der Meister sich den geschnappt hat. Irgendwie kann ich jetzt verstehen, dass ein Schmied giftig reagieren kann, wenn jemand sich seines Hammers bemächtigt. Sönke arbeitet mit meinem zweiten Hammer, einem Habermann-Hammer, der mit 1.2 kg mir noch ein bisschen zu schwer ist. Aber man muss sich ja Ziele setzen. Sönke sucht mehrfach seinen Hammer, der scheint sich auch auf wundersame Weise selbstständig zu machen. Könnte es die gleiche Ursache haben, die auch meinen Hammer auf Wanderschaft gehen lässt?
Georgs Auge entgeht keine Unstimmigkeit im Bewegungsablauf. Ab und zu korrigiert er mich. Ich habe die Tendenz den Hammer nicht im Winkel von 90° zum Amboss zuführen, außerdem bremse ich den Hammer beim Zurückfedern ab, anstatt den Schwung auszunützen. Ich führe den Hammer etwas verdreht, er trifft somit nicht plan auf dem Werkstück auf, das gibt unnötige Dellen. Also Üben, Üben, Üben, bis der Bewegungsablauf perfekt ist.
Plötzlich und unerwartet ist der Feierabend da, draußen ist es dunkel, also muss es weit nach 20 Uhr sein. Wir haben also wieder gnadenlos überzogen. Beim Abendessen kommt dann das Gespräch auf Georg zweite große Leidenschaft, dem Rennfeuer. Georg zeigt uns den Film vom letzten Rennfeuer-Symposium in Polle, das er veranstaltet hat. Bei Wein und Bier lassen wir den Abend ausklingen und Sönke gibt noch einen Einführungsvortrag über das Thema „Pflanzenöl und Dieselmotoren“. Mein Gott, es ist schon wieder lange Mitternacht. Also ab ins Bett, morgen müssen wir alles geben, damit wir fertig werden. Ein halber Wasserkasten ist auch leer, den muss ich wohl alleine im Laufe des Samstags niedergemacht haben. Ich wusste gar nicht, dass man soviel schwitzen kann.
Sonntag, den 8.9.06
Georgs Hahn reißt und dieses Mal nicht aus den Federn, Georg hat ihn heute Morgen um fünf im Stall eingesperrt, weil er zuviel Lärm gemacht hat. Also Frühstück machen und los geht’s. Man merkt schon, dass man gestern den ganzen Tag den Hammer geschwungen hat. Der Muskelkater zieht sich von den Händen über die Arme in die Schulter. Außerdem merkt man deutlich, dass die Feinmotorik in den Fingern etwas gestört ist. Ein paar kleine Brandblasen verursacht vom abgeplatzten Zunder gibt es an den Händen, aber keine Blasen durch den Hammer. Beim ersten Kurs hatte ich da schon mindestens drei Pflaster auf den Händen verteilt.
Aaron und Jesse haben wieder ihr Höllenfeuer in den Essen angezündet. Die riesige Schmiede ist komplett verqualmt. Georgs Frage nach dem Verursacher ist nur rein rhetorisch. Georg meint zu mir, ich wäre jetzt so geschickt, um auch einmal selbst mit dem 125er Lufthammer zu schmieden. Der Hammer ist einfach nur furchteinflössend, aber warum es nicht ausprobieren. Man steht ja nicht allein da, sondern Georg steht helfend zur Seite und es gibt eine kurze Einführung. Also das Eisen über die ganze Länge heiß machen. Das erfordert schon etwas Koordination, weil das Feuer in der Esse fokussiert brennt. Also erst die Mitte des Eisens heiß machen, bis es hellgelb glühend ist, danach das obere Drittel. Die Mitte mit Kohlen zur Isolation abdecken, zum Schluss das untere Drittel und den Rest abdecken. Ganz schön schwierig, irgendwo gibt es immer Stellen, die wieder kalt geworden sind. Verflixt und zugenäht. Unter dem Schmiedehammer bricht das Eisen an den zu kalten Stellen, es wird wie Holz. Also, das Eisen ist heiß und jetzt allen Mut zusammen genommen und sich dem „Ungeheuer“ genähert. Das Eisen in beide Hände genommen, Georg übernimmt die Steuerung des Lufthammers und los geht’s. Man merkt in den Armen schon deutlich die Wucht, mit der der Hammer zuschlägt. Gemeinsam schmieden wir das Werkstück aus. Problematisch ist für mich nur das Umdrehen des Werkstücks, der Hammer ist einfach zu schnell oder ich zu langsam. Es gibt ja zum Glück noch einen kleineren Federhammer, der ist langsamer. Mit dem Hammer komme ich besser zurecht und es macht langsam richtig Spaß mit dem Hammer zu arbeiten. Ich bin ganz stolz auf mich, das das „Ungeheuer“ mich nicht gefressen hat. Es ist aber auch typisch Georg, einen ins kalte Wasser zu werfen mit dem Spruch „mach mal“ und es scheint ihm auch Spaß zu machen die Grenzen auszuloten und einen dann über diese Grenzen mit sanftem Druck zu schieben.
Jetzt kommt der langwierigste Arbeitsabschnitt, Richten der Werkstücke und Korrektur der Dicken. Zu den Enden hin sollen sich die Werkstücke in der Dicke gleichmäßig verjüngen, das ist das gesteckte Ziel. Die Breite muss aber konstant bleibt. Das zieht sich jetzt. Es zeigt sich auch der Perfektionismus den Georg an den Tag legt. Immer wieder gleitet der prüfende Blick des Meisters über die Werkstücke. Auch die kleinste Abweichung wird mit ein paar kräftigen Hammerschlägen korrigiert. Es staunt der Laie wieder Mal Bauklötze.
Als nächstes steht das Ausschmieden der Voluten an. Georg zeigt mir das an einer Volute, wie immer sieht das total locker und flockig aus. Auch die Größe passt auf Anhieb. „Also, mach mal, die beiden anderen müssen genauso aussehen.“ Voluten habe ich das letzte Mal im Praktikum vor 17 Jahren geschmiedet, zu Hause konnte ich das nicht Üben, weil mein Amboss kein Rundhorn hat. Also dann mal ran. Es ist erstaunlich, das es auf Anhieb einigermaßen mit den gleichmäßigen Rundung und der Größe der Volute klappt. Georg ist zufrieden. Also die Dritte angefangen, wir haben keine Zeit zu verlieren.
Ein Schrei reißt mich aus meiner Voluten-Schmiederei. Sönke hat zum x-ten Mal sein Werkstück verbrannt und darf wieder von vorne anfangen. Das kenne ich noch zu gut aus dem Praktikum, da war ich auch Meister drin. Da die Zeit doch schon fortgeschritten ist, schmieden wir jetzt Sönkes Werkstück zu dritt aus. Georg als Vorschmied, ich als ersten und Sönke als zweiter Zuschläger. Auweh, dass heißt für mich, dass ich den schwereren der beiden Vorschlaghämmer nehmen muss, weil der erste Zuschläger den schwersten Hammer führt. Zum Glück lässt Georg „Gnade walten“ und ich darf den 3 kg-Hammer nehmen, während Sönke mit dem 5 kg-Hammer umgehen muss. Nach anfänglichen Synchronisationsschwierigkeiten, haben wir dann das Werkstück ausgeschmiedet. Georg macht noch die letzten Korrekturen. Fertig!
Georg drängt zum Mittagessen, es ist schon fast zwei Uhr. Händewaschen und Kartoffeln aufgesetzt. Gemeinschaftlich wird noch ein Quark zu den Kartoffeln produziert. Diesmal fällt die Mittagspause länger aus. Georg macht noch einen Rundgang mit uns durch sein Anwesen und zeigt uns seine Luft- und Federhammersammlung. Die zwei anderen Kursteilnehmer müssen leider jetzt schon gehen, beide haben einen langen Anfahrtsweg.
Abschlussbesprechung mit Begutachtung der Werkstücke
Beim Ausschmieden eines Werkstücks stellen wir fest, dass der Stahl unwahrscheinlich hart wird. Georg befragt mich inquisitorisch, ob ich das Material abgeschreckt hätte bzw. woher ich das Material genommen habe. Die Antwort lautet, Material nicht abgeschreckt und das Material stammt aus dem Baustahllager. Dann liegt es wirklich am Stahl. Also noch mal das gesamte Werkstück bis zur Rotglut erhitzen, um die Spannungen aus dem Material zu nehmen.
Vier Flacheisen müssen noch mit einer Kehlung versehen werden. Georg macht jetzt Druck, Material ins Feuer und die Kehlung einschmieden. Georg nimmt dazu einen Kehlhammer und ich muss als Zuschläger arbeiten. Für mich wird es jetzt schwierig, das Material ist unterschiedlich warm und somit unterschiedlich schmiedefähig, an den kalten Stellen muss stärker zugeschlagen werden als an den warmen Stellen. Die Zierrille muss ja überall gleich tief sein. Nach kurzer Zeit bin völlig fertig, Sönke löst mich ab. Alle vier Flacheisen müssen so verziert werden. Georg kennt jetzt kein Erbarmen. Er meint dann zu mir, würde ich noch zwei Tage hier sein, wäre das danach die reinste Kur. Das macht Mut. Der Wasserkasten ist endgültig leer. Zum Glück gibt es im Wohnmobil noch Nachschub. Ich fühle mich wie ein Durchlauferhitzer. Wasser rein und sofort ausgeschwitzt.
Sönke und ich geben jetzt Gas um fertig zu werden. Meine Vordachkonsole muss auch irgendwie fertig werden. Die Teile müssen noch gebogen werden und dann verschweißt werden. Georg gibt jetzt Alles. Es ist aber schon fast 19:30 bis wir unsere Werkstücke fertig haben. Sönke und ich sind stolz wie Oskar. Jetzt kommt leider noch das Unangenehme. Das Aufräumen und Saubermachen der Werkstatt. Beide Essen müssen komplett geleert werden und die restliche Kohle durchgesiebt werden. Zusätzliche Essen und Ambosse wieder auf die Paletten geladen werden, die zusätzlichen Maschinen müssen wieder aus der Werkstatt ins Depot. Danach noch duschen, Sönke und ich sehen aus wie die Heizer auf einer Dampflok. Überall Kohlenstaub. Besonders ich habe die Gabe, das Gesicht komplett mit schwarzen Strichen und Streifen zu versehen. Georg neckt mich immer damit.
Um 21:30 Uhr sind wir dann abmarschbereit. Es heißt jetzt Abschied nehmen. Ein phantastisches Wochenende ist vorbei. Der Schmiedekurs ist für mich immer eine persönliche Auszeit und eine meiner Inseln. Ich kann jedes Mal komplett Abschalten und neue Kraft schöpfen, wahrscheinlich dadurch dass man schwer körperlich arbeiten muss. Man trifft die unterschiedlichsten Menschen in diesen Kursen und es herrscht eine phänomenal kreative Atmosphäre in der Schmiede. Außerdem schätze ich es, dass Georg unwahrscheinlich geerdet ist, das überträgt sich dann auch auf die Kursteilnehmer.
Schade, leider haben wir keinen Termin für den nächsten Kurs vereinbaren können. Zum Glück fährt mein Mann uns nach Hause. Sönke und ich sind fix und foxi und uns fallen innerhalb von Sekunden die Augen zu.
Am nächsten Morgen, erkennt man deutlich, dass ich mit der rechten Hand ohne Handschuhe arbeite. Die Hand ist bis zum Ellenbogen mit einem schwärzlichen Überzug ausgestattet, der sich auch nicht abwaschen lässt. Das kommt wohl von der Steinkohle. Na ja, macht nichts, wird schon wieder verschwinden. Der Muskelkater hält sich auch in Grenzen, obwohl wir am Sonntag deutlich die Grenze der körperlichen Belastbarkeit überschritten hatten. Nur mit der Feinmotorik in den Fingern klappt es nicht so richtig, die Kollegen am Arbeitsplatz schauen fasziniert zu, wie ich die Kaffeetasse mit beiden Händen halten muss. Der Kommentar „Schmiedekurs am Wochenende“ regt zu heftigen Diskussionen an und ich lasse das Wochenende nochmals Revue passieren.
Zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen:
"Danke Georg, für das phantastische Wochenende und hoffentlich gibt es bald einen neuen Schmiedekurs!“

