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19-09-05

Rennherdversuch vom 17.9.2005 in einem verbesserten Rennherd.

Detaillierter Bericht:        Siehe dazu auch  Die Roemer online

 

Auch bei diesem Versuch wurde das Prinzip eines Rennherdes verwendet, der aber aufgrund der negativen Erfahrung des 2. internationalen Rennofensymposiums nicht mehr so tief in der Erde versenkt war.

Vielmehr reichten nur die unteren 15cm in die Erde. Auf den Rand der 30 cm weiten Grube wurde nun ein 20 cm hoher Schacht aus Ziegeln errichtet, der ebenfalls 30 cm Innendurchmesser hatte. Auf diesen wurde wiederum die Kuppel von nunmehr 25 cm Höhe aufgesetzt.

Insgesamt ist der Ofen 60 cm hoch.

Der Bau erfolgte in 2 Schritten, bei dem jedes mal mit einem Holzfeuer zwischengehärtet wurde.

Die Ziegel wurden beidseitig mit Lehm verputzt, so dass die lichte Weite nur noch 28 cm betrug, aber nun passend zum Düsendurchmesser von 28 mm, so dass kein Abschmelzen der Ofenwandung erfolgte.

Die Düse ragte bis knapp vor die Ofenmitte, 13-14 cm über der Sohle endend, bei etwa 25 ° Neigungswinkel.

Die verwendete, neue Edelstahldüse zeigte nur einen minimalen Abbrand und musste ab und zu mit einem Holzstock von anhaftender Schlacke gereinigt werden.

Rechts zur Düse lag das Abstichloch, was aber geländebedingt (Hanglage) war und eigentlich gegenüber angebracht werden sollte.

Die Maße entsprechen dem Vorgängermodell bis auf die Gicht, die diesmal 15 cm Durchmesser hatte, damit die Beschickung leichter einzufüllen ist.

Der Ofen wurde zuletzt mit einem Gesicht versehen, der einen bärtigen Dämon darstellt und den bösen Blick abwenden sollte (und das wohl auch erfolgreich getan hat).

Durch die erhöht liegende Düse musste der Blasebalg „aufgebockt“ werden, damit man problemlos arbeiten kann. Dazu wurde quer unter dem Balg ein Stock genagelt, der an den Enden auf einem Bock festgebunden wird. Die Blasebalgspitze kann nun mit Holzklötzen auf die richtige Höhe eingestellt werden. Diese Konstruktion erwies sich als sehr bedienungsfreundlich und wird nun weiterhin verwendet werden.

Nach der Vollendung wurde der Ofen 12 Stunden lang mit einem Holzfeuer getrocknet, die Errichtung eines Schutzdaches hielt Wind und Wetter weitgehend ab

Zwischen dem Bau des Ofens und der Verhüttung lagen 4 Tage.

Vor der 1. Verhüttung in diesem neuen Ofen wurde er wieder mit einem Holzfeuer von 5:00 bis 9:00 Uhr getrocknet, bis der Ofen von innen glühte und außen vollkommen trocken und heiß war.

Darauf wurde dann die erste Ladung Holzkohle eingebracht, bis der Ofen gefüllt war. Nun wurde noch 1 Stunde weiter mit Holzkohle vorgeheizt.

Als Erz wurde ein Gemisch verwendet, das zum Großteil aus Roststücken sowie einem Anteil Walzzunder bestand. Dieses Gemisch wurde mit Sand als Schlackebildner vermengt und in abgewogenen Mengen in den Ofen gegeben, bei einem Erz - Kohle - Verhältnis von 1:2

Insgesamt wurden etwa 8 kg Rost, 1kg Quarzsand und 30 kg Holzkohle gebraucht, das Vorheizen und Ausbrennen mitgerechnet. Die Verhüttung dauerte von 10:00 bis 16:00, dann wurde bis 17:00 der Ofen nur noch mit Kohle und etwas Sand beschickt. In dieser Zeit wird zudem mehr Luft als zuvor eingeblasen, wo die Belüftung mit schwankender Intensität erfolgte.

Um 13:40 wurde ein Schlackeabstich gemacht, der eine leicht fließende, hellorange Schlacke ergab. Dasselbe wurde noch mal um 17:30 versucht, es konnte diesmal aber keine flüssige Schlacke entdeckt werden.

Während des Versuches war jedoch aus dem Ofen ein deutliches Brutzeln des Sand-Erzgemisches zu vernehmen, die vor der Düse tropfend-schäumend zu sehen war.

Die dunkle, schwarze Schlacke zeigte ebenfalls eine stark schaumige Struktur und war gleichmäßig geschmolzen, was ein gutes Zeichen war.

Um 18:00 wurde dann der Ofen geöffnet und die Luppe entnommen. Die Luppe konnte mangels eines Holzblocks nicht richtig verdichtet werden, es ergaben sich aber nach dem Aussortieren mehr als 2kg schmiedbares Eisen, in mehrere Stücke zerfallen, die durch nachfolgende Schmiedearbeit gereinigt und vereint werden.

Das Ergebnis ist also sehr zufriedenstellend, es erfolgt in Zukunft sicher noch einem weitere Verfeinerung der Verhüttungstechnik mit diesem Ofentyp.

Ursprünglich sollte dieser Ofen mehrmals verwendbar sein, der schlechte Lehm ließ aber eine wiederverwendbare Konstruktion kaum zu, so dass wir für den nächsten Versuch auf gekauften Ton zurückgreifen müssen. Trotzdem ist die Verwendung von schlechterem Baumaterial kein Hindernis für das Verhütten solange der Ofen nicht einstürzt, obwohl bei unserem Ofen zahlreiche Risse auftraten.

Genius Locus
Wir und unser heißer Ofen
Das Ergebnis
 

Römischer Rennherd

Die Römer

 

Eisenherstellung in römischer Zeit              

 (Ein Projekt von  www.die-roemer-online.de )

Schon seit vielen Jahren interessieren wir uns für die Herstellung und Verarbeitung von Eisen mit Mitteln, wie sie jeder Mensch selbst bauen kann, bzw. die es auch schon vor 2000 Jahren, namentlich bei den Römern, unserem großen Interessensgebiet, gab.

Folgerichtig wollten wir einmal selbst Eisen und Eisenwerkzeuge herstellen.

Dies hat anfangs nur wenig geklappt, da durch irreführende Literatur oft falsche Informationen die Grundlage unserer Arbeit bildeten und uns Gleichinteressierte fehlten, mit denen man sich hätte austauschen können. Dies alles ergab sich erst in den letzten paar Monaten.

Dank der Teilnahme am Rennofensymposium konnten wir nun weitere Erfahrungen mit anderen Erzschmelzern austauschen und durch eine Demonstration unseres Ofens hoffentlich letzte „Kinderkrankheiten“ ausräumen.

Das es leider nicht geklappt hat eine schmiedbare Eisenluppe zu erzeugen, lag wahrscheinlich an dem zu geringen Eisengehalt des Erzes (ca. 30 %), dass uns von der Grube Silberhardt zur Verfügung gestellt wurde.

Wir werden jedoch in Zukunft, aufbauend auf der tatkräftigen Unterstützung und Rat der Teilnehmer, unsere Versuche fortfahren und darüber auf unserer Internetseite detailliert berichten.

Zusätzlich zu der Verhüttung von Eisen als zentraler Aspekt, verfolgt Raphael Richarz interessiert die Kunst des Freihandschmiedens, was wir u.A. durch den Betrieb einer kleinen Feldschmiede im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit der Römercohorte Opladen zeigen.

Wichtig ist uns die historische Authentizität.

Soweit es uns als Privatleute und interessierte Laien möglich ist, wollen wir nur Methoden anwenden, die schon die Römer verwendeten oder verwendet haben könnten. Wir verwenden prinzipiell nur Blasebälge und versuchen weiteres Stück für Stück durch Replikate zu ersetzten, soweit möglich.

Ziel unser Arbeit ist bisher jedoch erst mal die Herstellung von schmiedbaren Eisen in brauchbaren Mengen durch einen Rennherd, dessen Form wir aufgrund von Erfahrungen wie auch Tipps immer weiter verfeinert haben und weitgehend archäologischen Befunden aus der Römerzeit entspricht, sofern sie nicht durch die Praxistauglichkeit weichen mussten.

Die Belüftung erfolgt durch einen Spitzbalg, den wir auch in unserer Feldschmiede benutzen.

Unsere gesamte Arbeit und unseren aktuellen Wissensstand veröffentlichen wir auf unserer Internetseite,  www.die-roemer-online.de, um anderen Interessierten die Probleme der Informationsbeschaffung zu ersparen, die wir zu Anfang hatten.

Wir würden uns freuen auch im nächsten Jahr am nunmehr  3. Rennofensymposium teilzunehmen und die Ergebnisse unserer Arbeit zu zeigen.

Raphael Richarz                        (  Raphael.Richarz(at)die-roemer-online.de )

Ingo Henneberg                        (  Ingo.Henneberg(at)die-roemer-online.de )

 www.die-roemer-online.de

 

 

 

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